Ein paar Erlebnisse

Hallo,

ich habe diese Seite gefunden und möchte von einigen Begebenheiten mit dem Jobcenter erzählen, die mir besonders auf dem Herzen liegen.

Ich bin leider arbeitslos und schäme mich fürchterlich dafür. Die Aussichten auf eine Vollzeitstelle sind wirklich bescheiden, und somit habe ich neben den Bewerbungen immer versucht, mir etwas eigenes aufbauen; und wenn es nur etwas für »nebenbei« (neben der Stellensuche) ist.

Also habe ich vor zwei Jahren einen Onlineshop eröffnet. Ich wollte selbst geschriebene Bücher verkaufen. Im Gewerbeschein war deutlich Nebentätigkeit angegeben; die Tätigkeit hinderte mich nicht an der Stellensuche.

Ich wurde aufgefordert, den Gewerbeschein abzugeben und meine Tätigkeit einzustellen. Begründung: man befürchte, ich könne Bücher über die Arbeitsagentur veröffentlichen, weil ich schon über einen privaten Blog verfügte, mit dessen Inhalt man nicht einverstanden war (der kritischste Blogartikel war neben Kochrezepten ein Artikel über die Globalisierung!).

Anfangs wollte ich mich noch dagegen wehren, aber nachdem ich zwei Monate lang Geld mehr erhalten hatte, habe ich das Gewerbe aufgegeben. Erst nachdem die Gewerbeabmeldung auf dem tisch lag, wurden meine Zahlungen weiter bewilligt. Zu dem Zeitpunkt war ich schon mit zwei Mieten im Rückstand; mein Vermieter dachte, ich versaufe sein Mietgeld!

Ich bin gehbehindert (KEIN Merkzeichen G im Behindertenausweis!), kann einige Tätigkeiten nicht ausführen. Bei einem Termin mit meiner Sachbearbeiterin wurden mir zwei Stellen als Zimmermädchen angeboten. Ich sagte, ich könne die Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen leider nicht ausüben, ob sie denn nicht eine Stelle mit sitzender Tätigkeit hätte (Büro usw.).

Sie sagte nein, ich müsse mich bewerben. Da ich als ausgebildete Industriekauffrau bisher keinen Erfolg bei der Stellensuche hatte, würde sie mich ab jetzt nur noch in den hauswirtschaftlichen Bereich vermitteln.

Hinter jedem Stellenangebot von der Arbeitsagentur gibt es einen Abschnitt, den man ausgefüllt an die Agentur zurückschicken muss. Ich habe dort angekreuzt »nicht beworben« und als Begründung angegeben, ich könne aus gesundheitlichen Gründen diese Tätigkeit nicht ausführen.

Mein Budget für Bewerbungen ist so knapp, dass ich es lieber für Bewerbungen auf Stellen ausgebe, die ich körperlich ausführen kann.

Prompt wurde mir eine Sanktion angedroht. Ich legte erfolgreich Widerspruch ein.

Ich werde vom REHA-Team der Arbeitsagentur (heute: Jobcenter) betreut, das sich auf die Vermittlung von Menschen mit Behinderung spezialisiert haben.

Ein Lichtblick! Ich hatte die Chance auf eine Stelle. Der Arbeitgeber verlangte allerdings ein vorheriges Praktikum.

Es ist so, dass man als Arbeitsloser schon in der Bewerbung ein Praktikum anbieten darf. Ich dachte, meine Chancen zu verbessern und habe das natürlich prompt umgesetzt. Bedingung von seiten des Jobcenters: vorher Bescheid sagen und sich die Erlaubnis einholen, ansonsten gibt es eine Sanktion. Die Zusage würde auch ganz unbürokratisch per Telefon erfolgen.

Als sich wirklich ein potentieller Arbeitgeber interessierte, versuchte ich mein Jobcenter zu kontaktieren: per Telefon, Fax, Brief und persönlich. Bis heute habe ich keine Rückmeldung erhalten. Selbst mein Arbeitgeber hat angerufen. Ergebnis: keines, niemand ist zuständig.

Das Praktikum kam nie zustande. Da die Stelle schnell besetzt werden sollte, war nach zwei Monaten vergeblicher Kontaktversuche die Stelle anderweitig vergeben. – Ich habe noch Tage danach geheult wie ein Schlosshund.

Ich wurde zu einem Projekt eines freien Trägers eingeladen. Ziel: Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche. Ich dachte: Hey, das ist doch mal was. Doch die Enttäuschung war groß.

Beim ersten Termin wurde mit mir gemeinsam zwei Fragebögen ausgefüllt (angeblich anonymisiert, aber ich bin mir nie sicher, ob da nicht persönliche Daten weitergegeben werden). Okay, Fragebogen Nummer Eins war für den Europäischen Sozialfond, der das Projekt finanziert, der zweite Fragebogen war eine interne Datenerhebung des Trägers.

Beim zweiten Termin wurde festgestellt, dass ich keine Drohen nahm, meine Wohnung in Ordnung ist, ich keine Schulden hatte und nicht spielsüchtig sei. Erstmal gut! Doch dann wurde mir zu einer Therapie geraten. Auf die Frage, weshalb mir eine Therapie empfohlen wurde, erhielt ich die Antwort: da ich keine Probleme wie Drogen etc. hätte, müsse meine Arbeitslosigkeit mit meiner Psyche zusammenhängen. Ich wurde zur psychologischen Betreuung der Caritas geschickt. Dort schüttelte man den Kopf und schickte mich wieder zum Träger zurück. Denn es stand schon nach einer halben Stunde fest, dass ich nicht therapiebedürftig bin. – Welch eine Überraschung.

Dritter Termin: Der Träger wusste nun nicht, was er mit mir anstellen sollte. Deshalb erzählte mir die Dame dort von ihrem bevorstehenden Urlaub und ihren Hobbies …

Nach vier weiteren Terminen, bei denen nichts mehr als gezwungener Smalltalk stattfand, stand schließlich fest: ich könne aus dem »Projekt« abgemeldet werden. Als »Abschlussgeschenk« wurde mir das Buch »Jetzt gehts! Erfolg und Lebensfreude mit lösungsorientiertem Selbstcoaching« empfohlen.

Ich unterstelle einfach mal, dass absichtlich so viele Termine stattgefunden haben, um ordentlich abrechnen zu können. Für meine berufliche Situation hat sich dort niemand interessiert. Man sagte mir nur: Dafür seien die Jobcenter zuständig.

Ich frage mich immer zuerst, was ich selbst falsch gemacht habe. Besonders, wenn sich Probleme häufen, denke ich intensiv darüber nach, wo mein Fehler lag. Ganz besonders traurig macht mich die Sache mit dem verpatzten Praktikum. Hätte ich es »bestanden«, wäre ich vielleicht heute kein ALG II-Bezieher mehr. Daran müsste das Jobcenter doch auch ein Interesse haben! Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich ein höflicher, zurückhaltender Mensch bin. Meine Klamotten sind sauber und ich mache keinen asozialen Eindruck. Aber mir wird beim Jobcenter in einem Ton begegnet, als wäre ich ein Untermensch.

Ich wünsche mir nichts mehr als einen Job, damit ich endlich entkommen kann. Inzwischen bin ich nur noch verzweifelt.

42 Gedanken zu “Ein paar Erlebnisse

  1. “Ich möchte noch hinzufügen, dass ich ein höflicher, zurückhaltender Mensch bin. Meine Klamotten sind sauber und ich mache keinen asozialen Eindruck…Ich wünsche mir nichts mehr als einen Job, damit ich endlich entkommen kann.”

    Genau DAS ist DEIN PROBLEM.
    Gerade die die mitspielen und alles richtig machen wollen werden ganz besonders
    gefiXXX…nicht nur bei der Arge!

    Musiktipp: Schwein Sein von den Prinzen….

      • Mal im ernst: wenn ich eine überzeugende, ehrlich gemeinte Bewerbung für einen Job schreiben muss, wo von vornherein schon feststeht: das kann ich nicht machen ist das frustrierend.

        Das tut der Seele nicht gut.

        Wenn der Steuerzahler solche Bewerbungen erstatten muss, ist der Unsinn perfekt.

        Trotzdem vielen Dank für den Kommentar.

          • öhm, nein oder jein, kommt darauf an.
            Wenn sie im Jobcenter (ALGII) betreut wird, wird das aus Steuergeldern finanziert. Ist sie aber noch in REHA-Betreuung ist das Jobcenter formal nur noch für die Basisleistungen zuständig. Nur dann zahlt die “Versichertengemeinschaft” die Förderkosten (hier also Bewerbungskosten)

  2. 1. du musst dich nicht schämen, arbeitslos zu sein. dieses schicksal trifft viele leute vorübergehend einmal in diesen zeiten. bitte versuche, selbstbewusst mit der situation umzugehen und an dich selbst und deine fähigkeiten zu glauben!
    2. niemand kann dir eine selbständigkeit im nebenerwerb verbieten. „onlinevertrieb selbstgeschriebener bücher“ scheint mir allerdings eher ein hobby denn eine tatsächliche einkommensquelle zu sein. und hobbies geht man nunmal in seiner freizeit nach.
    3. dein budget für bewerbungen ist knapp? sorry, onlinebewerbungen kosten erstens keinen cent, zweitens kannst du förderleistungen aus dem „vermittlungsbudget“ beantragen, falls hier tatsächlich kosten entstehen sollten (auch für fahrten zu vorstellungsgesprächen, übrigens)
    4. praktikum. hier muss auch verhindert werden, dass firmen die kostenlosen praktikanten ausnutzen, um einen vorübergehenden engpass billig zu bewältigen. deshalb ist die bewilligung durch das jobcenter durchaus keine reine schikane, sondern auch ein schutz vor ausbeutung. dass du allerdings auch auf verschiedenen wegen niemand erreicht hast sollte so nicht vorkommen.
    5. die erfahrungen mit deinem „freien träger“ sind in der tat haarsträubend. vorschlag: schildere deine erlebnisse (per mail) so detailliert wie du kannst deinem vermittler beim jobcenter odr auch direkt der BA für arbeit. Je sachlicher und konkreter, desto besser die chance, dass die missstände angegangen werden. Niemand kann so etwas wollen, aber es gibt nunmal schwarze schafe unter den „freien trägern“, die aber nur auffallen, wenn leute wie du ihre erfahrungen transparent machen und nicht in der opferhaltung verharren. Dass dort z.t. unfähige (und: schlcht bezahlte, oft freiberuflich oder befristet beschäftigte) arbeiten kann – wie überall, wo menschen arbeiten – nun mal vorkommen. Die träger werden übrigens pauschal bezahlt und nicht nach terminen, die du dort hattest. Leider entscheidet bei der auswahl (bzw.: der öffentlichen ausschreibung der maßnahmen) nicht zuletzt der preis.
    im übrigen kann ich noch empfehlen, deinem bürgermeister o.ä. zu schreiben. jobcenter sind „gemeinsame einrichtungen“ der agentur für arbeit und der kommune. In der regel

    6. zum schluss die bittere wahrheit: jemandem wie dir, der a.) qulifizert und b.) motiviert ist kann das jobcenter nicht wirklich helfen. wir können nicht etwa „vermitteln“, wie es in der öffentlichen wahrnehmung (und auch auf meinem türschild) gerne heißt, sondern nur auf offene, uns gemeldete stellen hinweisen. exakt dieselbsen stellen findest du aber genauso von deinem computer zuhause. wie haben keine „geheime“ arbeit, die wir „zuteilen“ könnten. einfluss auf eine evtl. einstellung haben wir: null.

    disclaimer: ich arbeite seit 7 jahren als vermittler in einem jobcenter einer süddeutschen großstadt. ich komme aus der freien wirtschaft und habe mich bewusst für diese tätigkeit entschieden, weil ich sie für sinnvoll und wichtig halte. Ich mache diesen job gerne, auch wenn ich mich oft ärgern muss, nicht zuletzt über die erwartungshaltung und das überzogene anspruchsdenken der „kundschaft“, die alle anderen, nur nicht sich selbst für ihre situation verantwortlich machen, von uns die lösung ihrer probleme erwarten, ohne einen hauch von eigeninitiative oder bereitschaft, abstriche von ihren illusorischen vorstellungen zu machen.

  3. @Nichtsnutz: Und was hat nun Dein Kommentar dazu beigetragen, dass man was gutes daraus heraus nimmt? Es gibt nun mal Menschen, die das nicht können und ich bin ebenso davon überzeugt, dass man durch “schwein sein” auch mal ganz schnell sich den Kopf anrennen kann.

    Wie dem auch sei:

    Die Zermürbungstaktik ist bei dem Arbeitsamt immer die gleiche. Es erinnert mich daran, wie ich selber mal zur “Ausbildungsberatung” auf dem Amt war, welches daraus bestand, dass der Idiot von Sachbearbeiter meine zeugnisse sah, mein Lebenslauf noch nicht mal beachtet hatte und dann unverhohlen sagte “Mit den Noten wollen sie in die Informatik gehen? Da nimmt sie keiner!”.

    Wie man sah: Der Idiot hatte keine Ahnung wovon er spricht…und so geht es oftmals!

    @Schreiberin:

    Es ist manchmal schwer, sich über den Stempel hinweg zu setzen, den man aufgedrückt bekommt. Es ist für mich auch unverständlich, wieso Dein Arbeitgeber Dir in dieser Misere nicht hat helfen können und ein bezahltes Praktikum daraus machte oder das Praktikum gleich sein ließ und Dich einstellte.

    Jedoch habe ich, nachdem ich vieles durchgemacht habe, für mich gelernt, dass es gerade dann am besten ist wieder aufzustehen und zu kämpfen. Gegen den Stempel und das, was andere einen aufdrücken wollen.

    Auch wenn man nur mutmaßen kann, was du kannst und was Du möchtest: Gib nicht auf! Steh wieder auf und kämpfe gegen das, was man Dir aufdrücken will. Steh auf und kämpfe! Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Du das schaffen wirst diesem Teufelskreis zu entfliehen.

    Alles Gute für Dich und viele herzliche Grüße,

    Stephan

    • Hallo Stephan,

      der Arbeitgeber wollte wohl erst einmal testen, ob ein ALG II´ler morgens um 8 auf der Matte stehen kann.

      Ich denke herausgelesen zu haben, du bist inzwischen tatsächlich Informatiker geworden?
      -> Das freut mich richtig für jemanden, der mich mit so netten Worten bedacht hat!

      Dankeschön!

    • Das war auch gar nicht die Intension.

      Sondern das man sich von der naiven Vorstellung lösen muss
      das Ehrlichkeit, Unterwürfigkeit und bedingungslose Kooperationsbereitschaft belohnt würden.
      Das klappt nicht einmal mehr bei meinem Hausarzt…..

      Gegen die Zermürbungstaktik hilft übrigens kein Gegrübel,
      sondern Hirn auf Durchzug schalten und die konsequente Anwendung der Schallplatte mit Sprung.

      Wenn man sich wie du “über die Idioten aufregt” ist die perfide
      Strategie nämlich voll aufgegangen.

      • Warum sollte man sich mit diesem menschenverachtenden System abfinden? Die Bundesagentur für Arbeit muss zerschlagen werden!

    • Mit der Ausbildungsberatung durfte ich mich auch schon herumschlagen. Ich gehe also ins BiZ (Berufsinformationszentrum) zur Sachbearbeiterin und die erste Frage, die mir gestellt wird ist: “Welchen Beruf möchten Sie denn gerne ausüben?”. Ich konnte es mir nicht verkneifen zu sagen “Ich dachte, das sagen Sie mir! Schließlich bin ich genau deswegen hergekommen!”. Im Endeffekt hat sie mir dann nach einer halben Ewigkeit und viel Einspruch und Hilfe meinerseits nahegelegt, mich als IT-Systemelektroniker (ITSE) zu bewerben. Wozu sitzt die da, wenn sie von ihrem Job keine Ahnung hat?

      Zum Glück wurde mir von meinem letztendlichen Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch (zum ITSE) stattdessen eine Stelle als Fachinformatiker für Systemintegration (FiSi) angeboten. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass es diese Berufsrichtung (Fachinformatiker) überhaupt gibt. Wäre mir das vorher bewusst gewesen, hätte ich mich wohl eher als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (FiAe) beworben und vielleicht mehr Spaß bei der Ausbildung und größere Chancen auf eine Übernahme im Anschluss gehabt. -.-”

  4. Du bist ein grandioses Beispiel was hier schief läuft. Du brauchst Unterstützung. Hast selber gesehen, dass du diese einfach nicht bekommst. Kannst genau erklären wie die Situation aussieht und wo die Einschränkungen bei Dir liegen und wo beim Jobcenter. Und trotz alledem hast du das Gefühl als müsstest du dich dafür entschuldigen das du in unnütze Maßnamen gesteckt wurdest und du nicht psychische probleme hast die über die hinaus gehen die jeder in der Situation hat. Um dann auch noch zu erklären dass du sauber und ordentlich bist, weil du das Gefühl hast das dies für andere eher die Ausnahme ist. Menschen die so untergebuttert wurden wie du tun mir wahnsinnig leid und bitte merk dir das: dies ist ein System in dem es nicht genug arbeit gibt und darauf basiert das einer alles verlieren muss damit es den anderen gut geht. Somit ist es ein struktureller fehler und nicht deiner. Wäre es kein struktureller fehler dann gäbe es nur versoffene, dreckige und gestörrte Arbeitslose. Das ist jedoch nicht der fall und so lange das so ist hör auf Dich für Dinge zu schämen die einfach nicht existieren. So lange man jeden aufstocker oder leistungsbezieher dazu bringen kann sich in die Opferrolle zu setzen wird nie genug Druck aufgebaut werden um die menschenverachtende behandlung zu beenden.

    • Hallo Arno,

      vielen vielen Dank! Das baut auf.

      Naja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Irgendwann wirds schon mit dem Job. – Wie gesagt vielen Dank! Der Kommentar hat mich echt beeindruckt.

  5. Mir ist exakt dasselbe passiert. Allerdings schon 1994. Ich war sogar noch einen Tick kooperativer. Anläßlich einer Massen-Infoveranstaltung des damaligen Arbeitsamts: “Sie sind alle 100 eingeladen worden, weil Sie für die hier vorgestellte Maßnahme geeignet sind. Wer sich nicht “freiwillig” einschreibt wird sanktioniert”. Da war gerade Wahlkampf in BaWü…

    Ich bin nach der Veranstaltung zum Dozenten, seines Zeichens Leiter des zuständigen Arbeitsamts und habe ihn geradeheraus gefragt, ob mir der Wochen vor Eintritt meiner Arbeitslosigkeit zwecks Gründung angemeldete Gewerbeschein irgendwie ins Kreuz fallen könnte Ob ich ihn nicht lieber abmelden solle, bevor ich unnötig Geld zum Fenster hinauswerfe. Seine einladende Antwort (lächelnd): “Es ist uns völlig egal, wie Sie Ihre Arbeitslosigkeit beenden!” Also hab’ ich mein knappes Geld weiter in die Gründung investiert.

    Als dann etwa ein Jahr später der erste Kleinauftrag über 500DM zzgl. MWSt. monatlich zustandekam, hab’ ich den ganz stolz meiner Vermittlerin präsentiert: “Hurra, es geht aufwärts!”

    Die hat sich den Vertrag gegriffen, ohne meine Zustimmung kopiert und mich dann vor die Wahl gestellt: Entweder noch einen solchen Vertrag binnen Wochen an Land zu ziehen, oder den Erfolg hier und jetzt einzustampfen. Man werde nämlich jetzt juristisch
    1. gegen mich vorgehen, rückwirkend meinen Status als Arbeitsloser hinterfragen und die “Versicherungsleistung” ggf. zurückfordern.

    2. gegen meinen Auftraggeber vorgehen, wegen des Verdachts auf Umgehung eines Arbeitsvertrags.

    Man hat mir kalt lächelnd ein Kündigungsschreiben an meinen Auftraggeber in den Füller diktiert, wohl wissend, daß da bald eine geringfügig bezahlte Stelle frei wird…

    Erst auf dem Heimweg lernte ich heulend wie ein Schloßhund den aufrechten Gang eines Bürgers. Der Auftrag ging zwar nach einem Jahr Hauen und Stechen verloren, weil die Behörde Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte um mich an der Erfüllung meiner vertraglichen Pflichten zu hindern, aber sie hatte mich gleichzeitig dazu gezwungen, mich mit den rechtlichen Hintergründen meines Gewerbes und den Abgründen des damaligen ALG auseinanderzusetzen:

    1. Die Gewerbefreiheit ist ein GRUNDRECHT (Art. 12 Absatz 1 GG)
    Also: Keiner kann Dir verbieten, ein Gewerbe anzumelden. Tut’s die ARGE trotzdem: Klage vor dem Sozialgericht. Bei drohender Existenzvernichtung: Wartesache.

    Der Gewerbeschein ist aber auch erst dann zwingend nötig, wenn tatsächlich erste Einnahmen aus einem Auftrag im Anflug sind. Vorher braucht man gar nichts! Also: loslegen, Briefköpfe bauen, Zielgruppe suchen, Werbung schalten oder auf Anfragen bieten (aka Bewerben)! Machen!

    2. Als Autor brauchst Du nicht mal einen Gewerbeschein. Du bist Künstler! das sind die freien Freien! Du erklärst auch nur einmal jährlich Dein Einkommen gegenüber dem Finanzamt, wie jeder Arbeitnehmer auch. Fließen vorher Tantiemen zu Deinen Gunsten, mußt Du die allerdings der ARGE melden. Dann wird Dein ALGII zwar anteilig gekürzt, aber Du behältst trotzdem unterm Strich mehr in der Tasche als ohne die Tantiemen.

    SCHREIB’!

    Erst mal für Dich selbst. Damit Du ein Gefühl dafür bekommst, wie viel Du am Tag so schaffst. Und gleich in Taschenbuchformat (ca. 60Zeichenpro 60Zeilen pro Seite) Tu Dich im Netz um. Da gibt’s auch Portale, die sich mit dem handwerklichen Teil des Schreibens befassen. Denn Schreiben ist zu 99% Handwerk, Literatur hat auch handwerkliche Qualitäten. Und die kann man lernen. Das Prozent Inspiration nebst Gehör für Geschichten eher nicht.

    Wenn Du dann etwa 300 zusammenhängende Taschenbuchseiten mit Witz in handwerklicher Qualität zusammen hast, schau mal zurück, wie lange Du dafür gebraucht hast. Wie viele verkaufte 10€-Bücher müssen das werden, damit Du davon leben könntest? Im Eigenverlag mußt Du die Leser selbst finden. Im Fremdverlag macht das Marketing der Verlag. Oder Amazon. Allerdings für etwa 90% jener 10€ Verkaufspreis…

    Ich bin übrigens heute noch Freier. Die ARGE hat auch in Katastrophenzeiten nie wieder so dreist versucht, mir meinen Gewerbeschein als IT-Spezialist wegzunehmen. Ich schreibe auch nebenbei. Allerdings noch immer für mich selbst. Bei mir lohnt sich’s halt nicht. Vielleicht ja bei Dir.

    Also SCHREIB’!

    • Hallo Torsten,

      meine Bücher sind fertig geschrieben, lektoriert und eine Exemplare gedruckt. (Ups, mir ist gerade aufgefallen, dass ich oben im Beitrag jede Menge Schreibfehler gemacht hab.) Wenn man nicht gerade die Buchrechte daran verkauft, braucht man einen Gewerbeschein (Handel).
      Ich habe schon vor meiner Arbeitslosigkeit Bücher verkauft. Allerdings nicht durchgehend wegen Zeitmangel, ich wollte es eigentlich nur wieder aufnehmen, als ich arbeitslos wurde (neben der Jobsuche).

      Die Tipps und Ratschläge kann ich wirklich sowas von gebrauchen, ich weiß gar nicht, wie ich mich bedanken kann!!! So eine Antwort ist ja wirklich Klasse! :-) DANKE!

      Ich hoffe, du hast es inzwischen geschafft. Das ist wirklich ohne Worte, was dir passiert ist. Es tröstet mich auch keinen Meter, dass ich jetzt weiß, dass ich nicht alleine mit ähnlich gelagerten Problemen bin.

      Wenn du mal für die Öffentlichkeit schreibst, drücke ich alle Daumen, die mir zur Verfügung stehen, um Glück zu wünschen.

      Danke. :-)

  6. Mich würde mal interessieren, wie das Jobcenter überhaupt von deinem Blog erfahren hat. Ist das mal wieder Stasi 2.0? Die Argumentation, du könntest ein Buch über die Arge schreiben ist schon sehr verräterisch. Daran merkt man, dass sie einen riesen Schiss haben, was dabei so alles rauskommt. Ich würde mich nach so einem Vorfall und solch einem Argument sofort dazu angehalten fühlen, erst Recht ein Buch darüber zu schreiben. Vielleicht solltest du dir das überlegen, für deine Psyche ist es bestimmt gut, auch wenn du es nicht veröffentlichst.

    Und bitte: Schäme dich nicht für deine Arbeitslosigkeit! In unseren Zeiten ist es einfach nicht möglich, dass alle eine Arbeit haben und da kann der Großteil auch nichts für. Die Gesellschaft schreibt uns vor, wir seien nichts wert, wenn wir keine Arbeit haben. Aber du bist viel mehr als deine Arbeit!

    • Hallo Anonymus,

      meinen Namen konnte man ganz normal googlen, um auf den Blog zu kommen. Der war… hobbymäßig angelegt. Es ging übers Schreiben, Kochrezepte und ein paar Videos. Nix aufregendes.

      Ich war genauso überrascht, wie die drauf kamen, ich könnte über sie schreiben. Ich hab geguckt wie ein Auto.

      Danke für die lieben Worte und den Tipp, sich den “Frust” von der Seele zu schreiben.

      Dankeschön.

      • Wenn Jobcenter sich für Zensurbehörden halten, ist das sowieso eine Sinnestäuschung.
        “Eine Zensur findet nicht statt.” (Art.5 GG)

        Wenn sowas mündlich geäußert wird: Mitschreiben, notfalls: “Aha. Ich habe jetzt notiert: SB X teilt mir mit, ich müsse mein schriftstellerisches Gewerbe aufgeben. Begründung: man befürchtet, ich könne Bücher über die Arbeitsagentur veröffentlichen, weil ich schon über einen privaten Blog verfügte, mit dessen Inhalt man nicht einverstanden ist.”
        Liest man diese Notizen vor (und sitzt ein Beistand daneben), und der SB merkt noch immer nix, dann ist jede Diskussion mit dieser Person sinnlos, und man muß sich eben an eine andere Instanz wenden.

    • Glaub mir,die JC sind sehr aktiv darin, das Netz nach Aktivitäten seiner Kunden zu überwachen. Wenn es gerade in den Kram passt, werden sogar schonmal Profile in irgendwelchen Business-Plattformen (z.B. bei XING o.ä.) auf den Namen des Kunden erzeugt,um ihm dann eine über die Geringfügigkeit hinausgehende Beschäftigung zu unterstellen. Ist mir passiert. Und dann versuch mal zu beweisen,daß dieses Profil nicht von dir selbst erstellt wurde…

  7. “Ich bin leider arbeitslos und schäme mich fürchterlich dafür.”
    Warum? Weil die Ausbeutungsmaschinerie keinen Platz für Dich hat?
    Hast Du mal in die Jobboerse der Arbeitsagentur geguckt?
    Da stehen ca. 3 Millionen Bewerbern ca 1 Million Stellen gegenüber, da kann es nicht genug Arbeitsplätze für alle geben.

    “Ich frage mich immer zuerst, was ich selbst falsch gemacht habe. Besonders, wenn sich Probleme häufen, denke ich intensiv darüber nach, wo mein Fehler lag.”

    Genau DAS ist das System, auf dem diese ganze menschenverachtende Maschinerie beruht. Du wirst behandelt wie der letzte Dreck, das System spuckt Menschen reihenweise aus, weil die für die Wirtschaft “wertlos” sind (weil sie nicht genug Arbeitsleistung erbringen können oder aus sonst einem Grund nicht “verwertbar” sind) und dann wird diesen ausgespuckten Menschen solange vorgebetet, dass sie ja eigentlich selbst Schuld tragen an ihrer Erwerbslosigkeit, weil sie nicht schnell genug, nicht produktiv genug, nicht jung genug usw sind, bis sie es selbst glauben.
    Und dann kommt neben der Entwürdigung auf den Jobcentern (dieses von oben herab behandeln und das Gehabe seitens der JC-MA, als würde jeder Cent an Hilfe für die Betroffenen aus der eigenen Brieftasche bezahlt werden müssen) auch noch eine Art Selbstzerfleischung hinzu, indem sich die Menschen fragen: “Liegts nicht doch an mir?”
    Und wenn die Menschen mal soweit sind, dann kann man mit ihnen machen, was man will und darum gehts.
    Auch wenn es schwer fällt: Nicht unterkriegen lassen! Nicht Du selbst bist Schuld an Deinem vermeintlichen Scheitern, sondern die Ausbeutungsmaschinerie hat schlicht keine Verwendung für Dich, bzw keine Verwendung, sofern Du Geld kostest, sprich, Lohn haben willst für Deine erbrachte Arbeit.

    Und das mit dem vergeigten Praktikum kannst Du ja wohl nicht Dir ankreiden, wenn die Herrschaften vom Jobcenter nie erreichbar sind. Ist ja nicht so, dass Du es nicht versucht hättest. Andersherum hätten die Dich sicherlich sanktioniert, wenn Du einfach zum Praktikum gegangen wärst, denn DAS hätten die unter Garantie mitbekommen.
    Naja, so ein richtiges Interesse, dass die “Kunden” aus dem ALGII-Bezug (und damit aus dem Verfolgungs-und Drangsalierungsinstrumentarium der Jobcenter) rauskommen, scheint mir nicht vorhanden, denn damit würden sich die Jobcenter-MA ja den Ast absägen, auf dem sie selbst sitzen…

    LG

    • Hallo Jessie,

      danke für den langen Kommentar.

      Also hm… Ich mache niemanden vom Jobcenter für meine Arbeitslosigkeit verantwortlich.

      Nur deren Verhalten ist manchmal “nicht nachvollziehbar”.

      Vielen Dank für die ANtwort. Ich werde die mir später nochmal durchlesen. Gibt einiges darin, über das ich nochmal nachdenken werde. Trotzdem versuche ich, meine Probleme sachlich anzugehen. Aber die üblichen 5 Minuten Traurigkeit bleiben nun mal nicht aus, wenn man wieder eine Absage im Briefkasten hat.

      Vielen Dank!

    • Hast Du mal in die Jobboerse der Arbeitsagentur geguckt?
      Da stehen ca. 3 Millionen Bewerbern ca 1 Million Stellen gegenüber, da kann es nicht genug Arbeitsplätze für alle geben.

      Ergänzung:
      …dabei ist zu berücksichtigen, dass fast 1/4 der Stellenangebote mehrfach eingestellt wurden, sich somit auf 1/3 potenzieren weil die Firmen zu faul waren, die anderen wieder zu löschen. Ebenso gibt es dort viele Stellen, die schon längst besetzt sind und nur der Vorhaltung für die potentiellen Bewerber im Pool dienen, nur um an Datenmaterial zu kommen. Ich habe jedenfalls wirklich nur negative Erfahrungen machen müssen und von ca. 180 Bewerbungen nicht einen einzigen Job bekommen! Innerlich habe ich schon längst aufgegeben, äußerlich gehen immer noch regelmäßig Bewerbungen raus, aber nur, damit mein SB zufrieden ist. Aber auch er weiß, wie sinnlos das Vorhaben eines 62 Jährigen ist. Dabei würde ich wirklich noch so gerne eine vernünftige Arbeit haben wollen, um bis zur Rente von diesem Mobcenter-Amt wegzukommen. Wenn die Rente dann endlich kommt, verschwinde ich ganz schnell aus Deutschland und fahre in Norwegen Holztransporte. Der Job ist mir sicher, aber leider darf ich da lt. JC da noch nicht hin, weil ich dem “Amt” zur Verfügung stehen muss. Lächerlich!

  8. Nixnutz hat recht. Wer brav und höflich ist, wird nach Strich und Faden verarscht. Auf den Tisch hauen, drohen (von der Dienstaufsichtsbeschwerde über Publikation mit Namensnennung bis zum “Möbelumstellen im Büro” ist alles drin) und bei Sanktionen oder “verloren gegangen wordenen” Unterlagen bei der Rechtsantragsstelle des Sozialgerichts vorsprechen. Du glaubst gar nicht, wie die Leute beim ARGE rennen können, wenn das Sozialgericht anruft und nach verschwunden wordenen Unterlagen oder ganzen Akten fragt.

    • Von auf den Tisch hauen und Möbelumstellen möchte ich aber dringenst abraten..damit gibts du denen ne Steilvorlage.

      Publikation mit Namensnennung ist fast noch riskanter, wenn
      nicht für dich, dann auf jeden Fall für den Inhaber der Internetpräsenz.

      Also:
      Voll auf die Fresse, Schnauze polieren und Shitstormen ist wie ein
      ordentlcher Schuss ins (eigene ) Knie…..

      • HaHa Veröffentlichung von gesellschaftlichen Misständen ist kdie Pflicht eines jeden Bundesbürgers und natürlich gehört dazu die Klarnamennennung!

        Richtig wichtig wird es wenn Straftatbestände wie zB. (Leistungsbetrug, Datenschutzvergehen, Nötigung oder Bedrohung eine Rolle spielen).

        Diese Straftaten gehören allerdings zum Standardprogramm dieser feinen JobCenter. Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt!

  9. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, das Praktikum nicht zu machen, manche Arbeitgeber nutzen das aus und nehmen einen Praktikanten nach dem andern.

    • Hallo,

      schon möglich. Nur für mich war es zumindest mal eine Chance. Außerdem hatte ichs in der Bewerbung angeboten.

      Danke für den Kommentar.

      • Ohne die Sache schlecht machen zu wollen,aber man muss schon ziemlich blauäugig sein,um noch an die Übernahmechance nach einem Praktikum zu glauben.

        Ich habe schon etliche Praktika gemacht: habe Arbeitsleistungen der Festangestellten problemlos in den Schatten gestellt, habe Maschinen im Wert eines Ferraris bedient, übliche Raucherpausen (wie die Festangestellten) ausgelassen, freiwillig die Nachtschicht geschoben usw. Und trotzdem kamen IMMER die üblichen Ausreden,warum man nicht übernommen werden würde: angeblich nicht schnell genug gearbeitet, nicht kommunikativ genug zu den Kollegen, nicht qualifiziert genug. Und natürlich “merkt” die Firma das immer erst zum Ende so eines Praktikums….

  10. Hallo,

    ich kann Sie sehr gut verstehen.

    Am schlimmsten ist dieses Fremdbestimmtsein, besonders, was Ihre Erfahrungen mit dem Amt in Bezug auf Ihr Praktikum anbetrifft.

    Sehr verständlich finde ich auch, daß Sie sich fragen, was Sie eventuell hier oder da falsch gemacht haben könnten. Diese Gedanken sind aber nur da hilfreich, wo Sie auch selber etwas machen oder ändern könnten. In keinem Dteail Ihres Berichtes aber sehe ich Anzeichen dafür, daß Sie etwas falsch gemacht haben.

    Aber auf gar keinen Fall sollten Sie sich meiner Ansicht nach schämen, daß Sie arbeitslos sind oder auf Grund körperlicher Einschränkungen nicht alles an Arbeit aufnehmen können, was man Ihnen vorsetzt!

    Sie sind mehr als nur Ihre Arbeitskraft, Ihr Wert als Person hängt keinesfalls davon ab, wie Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten.

    Ich bin selber auf Grund physischer und auch psychischer Einschränkungen nicht in der Lage, für meinen Lebensunterhalt selbst aufzukommen, aber davon mache ich mein Selbstwertgefühl nicht abhängig. Am Anfang habe ich das getan, was mich nur in quälende Selbstzweifel ( Wozu bin ich auf der Welt, ich bin ja zu nichts nütze” usw) trieb. Ein guter Freund hat mir dann geraten zu überlegen, was (außer Erwerbstätigkeit) mich denn noch ausmache, und ob das nicht viel mehr als mehr sei. Er wies mich auf Eigenschaften hin, die ich bisher nicht wahrgenommen hatte, und so fort.

    Langer Rede, kurzer Sinn: So sehr ich Ihre Scham und Ihre Zweifel, alles richtig gemacht zu haben, verstehen kann, so sehr möchte ich Sie darauf hinweisen, daß das Leben nicht in erster Linie daraus besteht.

    Liebe Grüße, eine Musikerin

    • Hallo liebe Musikerin,

      man hört richtig, Ihre Worte kommen von Herzen. Das ist wirklich “Musik” für die Seele. :-)

      Vielen lieben Dank.

      • Liebe rk,

        sehr gern geschehen!

        Praktische Tipps kann ich keider keine geben, bin da selber auf Hilfe angewiesen.

        Es fuchst mich aber immer nur ungemein, wenn Menschen, ob vom außen oder aus sich selbst heraus, nur auf ihre “Arbeits”kraft reduziert werden.

        Es freut mich, wenn ich dazu beitragen konnte, daß sie sich vielleicht etwas besser fühlen.

        Liebe Grüße, Musikerin

  11. Hallo rk,

    das kommt mir doch alles sehr bekannt vor. Körperlich mehrfach gehandicapt und gut im kaufmännischen Bereich ausgebildet in einem Berufsförderungswerk seit Ausbildungsende vor drei Jahren Deutschlandweit nichts gefunden. (Von meinen Kommilitonen übrigens auch niemand. Die meisten von uns waren Ende 20/Anfang 30.)

    Was macht REHA- Abteilung (GdB 50 ohne G trotz Gehbehinderung mit Stütze)? Schlägt nachdem ich mehrere Weiterbildungsmaßnahmen, die mir etwas genützt hätten, aber nicht bezahlt wurde, denn man könne meinen zeitweise benötigten Assistent nicht übernehmen und angeblich müsste ich bei Beantragung des “Persönlichen Budgets” auch davon die Ausbildung finanzieren (das ZSL in Köln und der Paritätische erzählen genau anders) eine Maßnahme “speziell für meine Bedürfnisse” vor. Ich recherchierte und erfuhr dass das ein Träger mit dem ich in meinem Vorberuf zu tun hatte war, der das Bildungsniveau der 4. Klasse Grundschule hat (denn als Mensch mit Handicap kann man ja nicht intelligent sein) und die Leute später im Rahmen sogenannter “Praxistrainings” in ungelernte Hilfsjobs wie Wäscherei etc. vermittelt. Das habe ich abgelehnt, wurde weil ich Beweise vorlegen konnte (einer Freundin, die aufgrund einer Allergie ihre Arbeit als Filialleitung eines Floristikhandels nicht mehr ausüben konnte, wurde von denen die ganze Zukunft versaut, die findet genau wegen dieser “Maßnahme” nichts mehr) akzeptiert. Dann drei ähnliche Sachen vorgeschlagen, wurde meine Ablehnung ebenfalls akzeptiert. Mit dieser Bearbeiterin hatte ich also relatives Glück. Dann: Anweisung so nach dem Motto “Dann bewerben Sie sich halt auch auf Dinge, die für Sie nicht passen, wenn Sie von Anfang an Ihre Behinderung benennen nimmt Sie im Reinigungsdienst eh keiner.” Also ähnlich wie bei dir.

    Mir wurde letztens, weil sich in der Nachbarschaft meine Buchhaltungskenntnisse, die ich immer wieder für mich selbst auffrische, angeboten ehrenamtlich die Buchhaltung in einer caritativen Einrichtung, die noch mit Journalen arbeiten zu prüfen. Mit Bescheinigung zwei Stunden pro Woche ohne Geld. Darf ich nicht!

    Ich schreibe übrigens selbst auch, zwar nicht im Internet, und mir ist zum Glück noch nicht gedroht worden. Ist denen aber voll zu zutrauen. Kennst du kobinet-nachrichten.org, wenn du deine Erlebnisse mal öffentlich außerhalb der Zielgruppe der JobCenter-Geplagten machen willst, frag doch mal ob die Interesse haben. Manchmal machen die so was. Und je mehr Menschen es da anbieten je größer ist die Chance dass da mal was erscheint.

    Liebe Grüße und alles Gute!

  12. Ich bin nicht in der Situation, ich war noch nie darin und als Programmierer bzw. Entwickler ist auch nicht damit zu rechnen, das ich in diese Situation gerate, zum Glück.

    Ich höre immer wieder von Freunden, was da so abgeht und zweimal war ich mit dabei, wenn ein Freund zum Amt musste. Die Situation war offenbar plötzlich eine völlig andere, von daher kann ich nur empfehlen, was Johannes Ponader schon schrieb:

    > Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah,
    > arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie:
    > Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten
    > sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden.
    > „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.
    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-pirat-zieht-sich-zurueck-ich-gehe-mein-ruecktritt-vom-amt-11809930.html

    Leider kann man gegen das Amt nur mit Gegendruck arbeiten und ja, ich weiß, dass ALGII-Empfänger ernste Probleme haben, das finanziell zu stemmen :-(

  13. Pingback: die ennomane » Blog Archive » Links der Woche

  14. Such’ dir jemanden (Freund, Familie), der deine Bücher für dich vertickt und dir Tantiemen zahlt – möglichst schwarz. Dazu ein Pseudonym, um die Spuren ggü. der ARGE zu verwischen. Das Ganze ggfs. aus dem Ausland heraus (du bist also z.B. in Guatemala im Exil).

  15. Hallo,

    sorry falls das hier jemand schon gepostet hat. Ich hoffe Dir hilft vielleicht dieser Link bei dem Wahnsinn mit dem Amt.

    http://wirgehenmit.org/

    Worum geht das da :
    Mitläufer begleiten Menschen zu Terminen bei der Agentur für Arbeit. Die Idee entstand beim Lesen eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Behandlung von Menschen bei der Agentur für Arbeit am Beispiel Johannes Ponader.
    Darin hieß es über Menschen, die in Begleitung beim Amt erscheinen: „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.
    Wir sind die dazu fehlenden Menschen. Bringen wir das System der Ungerechtigkeit zum Wanken.

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